Fragen und Antworten

Es gibt hunderte von Fragen, völlig klar. Und wir haben auch nicht auf alles eine perfekte Antwort. Vieles wird eine Gesellschaft im Übergang zu einer geldlosen Wirtschaft im demokratischen Prozess neu erfinden müssen. Wir versuchen trotzdem möglichst gute Antworten zu geben, diese Sammlung hier stetig zu erweitern und einigermassen übersichtlich zu halten. Falls du eine Frage hast, die du hier nicht beantwortet findest, schreibe uns eine Mail.

Die offensichtlichsten Fragen:

Es ist gut vorstellbar, dass in den ersten Monaten nach der Umstellung auf eine geldlose Wirtschaft eine Zunahme des Konsums feststellbar wäre. Endlich kann sich jede*r leisten, was schon so lange gewünscht war. Und noch viel mehr.

Wir gehen aber davon aus, dass das ein temporäres Phänomen wäre. Dafür sprechen mehrere Gründe:

  • Wenn alles immer verfügbar ist, dann verfliegt der Reiz am Eigentum. Dinge sind viel weniger mit Status verbunden, wenn sie sich jede*r besorgen kann.
  • Nach ein paar Monaten liegen die Sachen dann nur noch rum und nehmen Platz weg. Sie würden wohl mittelfristig weitergegeben werden, damit sie andere nutzen können.
  • Es gibt keinen Grund mehr, alles zu besitzen, weil es grosse Leih-Lager gäbe, die alle möglichen Dinge so lange wie nötig ausleihen würden. Mit dem grossen Vorteil, dass man sich um Wartung, Reparatur und Ersatz nicht mehr kümmern müsste.
  • Falls der Konsumrausch anhaltend wäre, müssten demokratische Regeln gefunden werden, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen und wie wir die Konsumwünsche so erfüllen können, ohne der Umwelt und dem Klima zu schaden.

Ein dickes Auto zu besitzen ist heutzutage oft ein Statussymbol. Wenn aber alle ein solches Auto haben könnten, verliert sich der Status, der damit verbunden ist.

Wichtig wäre dann vor allem, dass der Wunsch der Bevölkerung nach einer sicheren, schnellen und konfortablen Mobilität erfüllt wird. Höchstwahrscheinlich gibt es dafür bessere Lösungen als mit zahlreichen grossen Autos die Strassen zu verstopfen.

Der Umgang mit knappen Gütern wie schöne Villen am See oder anderweitig exklusive Wohnlagen ist tatsächlich eine knifflige Sache.

Schauen wir deshalb zunächst, wie dieses Problem in einer Geldwirtschaft gelöst wird, es ist ganz simpel: Wer es sich leisten kann, mietet oder kauft eben die Villa am See. Wer wenig oder kein Geld hat, kann sich kaum ein Dach über dem Kopf leisten. Auch wenn er heutzutage allgemein akzeptiert ist, ist das kein sehr fairer Verteilmechanismus.

In einer geldfreien Gesellschaft würde das Problem anders gelöst werden. Mehrere Möglichkeiten stehen zur Verfügung:

  1. Bestehender Wohnraum würde aufgewertet: Keine Wohnraum sollte unzumutbar sein.
  2. Unattraktive Wohnlagen, beispielsweise neben Autobahnen, würden schöner gestaltet. Vielleicht durch Überdachung der Autobahn.
  3. Sehr exklusive Wohnlagen, die so schön sind, dass es unfair wäre, wenn sie zeitlebens von den gleichen Menschen bewohnt würden, würden vielleicht in einem Losverfahren jeweils ein paar Jahre interessierten Menschen zugeteilt.
  4. Oder sie stünden als Ferienwohnungen zur Verfügung.
  5. Oder sie würden ein paar Jahre an Menschen vergeben, die besonders grossartige Leistungen für die Gesellschaft erbracht haben.
  6. Allgemein wären aber supergrosse Villen gar nicht mehr so attraktiv, denn es wären wohl kaum Menschen bereit, fremde Riesenhäuser zu putzen oder die darin wohnenden Leute zu bedienen.
  7. Fazit: Wahrscheinlich müsste für knappe Güter wie exklusiver Wohnraum (oder auch andere knappe Dinge) demokratische Regeln aufgestellt werden, wie damit umgegangen werden soll. Ein demokratischer Prozess ist ziemlich sicher fairer, als wenn knappe Güter einfach nur von besonders vermögenden Menschen gekauft werden können.

Es ist davon auszugehen, dass manche Menschen in einer geldlosen Wirtschaft nicht arbeiten wollen.

Diese Menschen gibt es allerdings schon heute. Wir versuchen, sie über allerlei Zwangsmassnahmen zum Arbeiten zu bringen. Meist ohne wirklichen Erfolg aber mit grossem Mehraufwand, weil ganz viele Menschen damit beschäftigt sind, andere Menschen zum arbeiten zu bringen, sie zu kontrollieren oder ihnen Geld zuzuteilen.

Eine geldlose Wirtschaft würde grundsätzlich zu weniger Arbeitsaufwand führen, weil viele Jobs nicht mehr nötig wären. Es würde also auch mehr Leute ertragen, die gar nicht arbeiten möchten. 

Gleichzeitig gehen wir aber davon aus, dass viele Menschen sehr viel Sinn in ihrer Arbeit finden, dass sie dadurch gesellschaftliches Ansehen erhalten und sich als selbstwirksam erleben. Arbeit ist für ganz viele Menschen eine wichtige Identifikation und trägt zu ihrem Lebensglück bei.

Allerdings gibt es gerade in der Schweiz auch immer mehr Menschen, die über dauernden Stress und sinnlose Arbeit klagen, die depressiv und überarbeitet sind.

Wahrscheinlich würden also viele Menschen weniger als heute arbeiten, manche aber mindestens immer noch genau so viel und einige wohl auch gar nichts. Und die meisten Menschen hätten wohl unterschiedliche Phasen, in denenen sie mal viel, mal gar nicht und mal teilzeit arbeiten.

Die Frage ist: Ergäbe sich eine gute Balance? Wir haben da ein gewisses Vertrauen in die Gesellschaft und die Menschen. Falls das in der Praxis nicht funktioniert, würden demokratische Prozesse angestossen, wie das Problem zu lösen ist.

Dein Geld und Vermögen könntest du behalten. Es wäre aber nicht mehr wirklich zu viel nützlich, denn du erhältst ja alles ohne die Bezahlung durch Geld oder Tausch. Auch müsstest du keine Steuern oder Versicherungen mehr bezahlen. Du könntest dein Geld also dort liegen lassen, wo es sich befindet im Sinne einer Notfallversicherung oder falls du mal in eine Geldwirtschaft im Ausland ziehen möchtest.

Vielleicht würdest du dich aber auch dazu entscheiden, dein Geld einer Bezahlstelle zukommen zu lassen.

Es kann gut sein, dass manche Menschen zuerst einfach mal Ferien machen möchten. Wir gehen aber davon aus, dass die allermeisten irgendwann wieder tätig werden möchten. Und das erst recht, wenn ihre Arbeit gesellschaftlichen Sinn ergibt und wertgeschätzt wird.

Falls zu viele Menschen nur noch Ferien machen wollen, muss man den Ferienanspruch wie heutzutage auch demokratisch festlegen.

Wenn es kein Geld und keinen Lohn mehr gibt: Wer macht dann die Drecksarbeit? Wer putzt die öffentlichen Toiletten, wer reinigt die Kanalisation? Wer würde am morgen früh noch Zeitungen vertragen und wer die Strassen kehren?

Diese Fragen sind sehr nachvollziehbar. Allerdings offenbaren sie auch, dass es offenbar einen finanziellen Zwang braucht, dass gewisse Arbeiten von Menschen gemacht werden. Das erinnert in seinem Zwang an Sklaverei und ist unserer Zeit nicht würdig.

Wer würde also die Arbeit tun? Wir können da gleich argumentieren, wie die Unterstützer:innen vom bedingungslosen Grundeinkommen. Arbeit, die  niemand machen will, sollte:

  • automatisiert werden. Roboter, Maschinen und Computer können viel von der sogenannten „Drecksarbeit“ für uns übernehmen. Wenn Geld keine Rolle mehr spielt, muss sich eine solche Automatisierung auch nicht finanziell lohnen.
  • attraktiver werden. Beispielsweise könnten viel mehr Menschen sich der Arbeit annehmen und sie dadurch angenehmer machen, weil die Arbeitseinsätze kürzer werden.
  • vielleicht einfach gar nicht erst entstehen. Vielleicht braucht es diese Arbeit ja auch gar nicht wirklich oder man kann das Problem anders lösen. Falls nicht, würden diese Menschen, die diese Arbeit ohne finanzielle Belohnung tun, vielleicht unsere neuen Popstars? Vielleicht würden wir sie damit belohnen, dass sie in exklusiven Wohnungen wohnen dürften? Auch hier: Wir würden demokratisch darüber befinden, wie wir solche Probleme gemeinsam lösen.

 

Das kann in der ersten Zeit nach der Umstellung tatsächlich sein, weil viele Menschen das Gefühl haben, dass sie sich jetzt endlich auch mal etwas gönnen können.

Wir gehen aber davon aus, dass sich dieser Überkonsum nach einer Weile legen wird, weil mit mehr Dingen kein Statusgewinn mehr verknüpft ist. Im Gegenteil: Menschen, die beispielsweise fünf Sportautos in der Garage hätten, würden mit der Zeit wohl komisch angeschaut: Denn was wäre ihre Rechtfertigung dafür, dass sie über normales Mass hinaus Ressourcen für sich in Anspruch nehmen? Wenn das Geld als Rechtfertigung wegfällt, ist es schwierig zu argumentieren und nicht mehr mit Statusgewinn verbunden, immer mehr Dinge anzuhäufen.

Mittel- und langfristig werden sich Konsummuster und Produktionsstandards in einer geldlosen Wirtschaft stark verändern: Dinge werden so konstruiert, dass sie möglichst lange halten, repariert werden können und in einer echten Kreislaufwirtschaft immer wieder zu neuen Dingen zusammengebaut werden können. Umweltaspekte, das Klima aber auch soziale Faktoren würden eine viel grössere Rolle spielen, wenn Geld kein limitierender Faktor mehr ist.

Dadurch würde die Umwelt- und Klimabelastung in einer geldlosen Wirtschaft mittelfristig stark zurückgehen. Das ist ein zentraler Punkt, weshalb wir der starken Meinung sind, dass es eine Überwindung der Markt- und Geldwirtschaft dringend braucht: Wir können uns den verschwenderischen Kapitalismus ganz nüchtern betrachtet einfach nicht mehr leisten.

Da müsste zuerst mal geklärt werden, was man mit dem Wort eigentlich meint? Die Idee des Kommunismus, von Marx und Engels geprägt? Oder ehemals realsozialistische Länder wie die Sowjet Union, China oder Vietnam?

Wie auch immer: Der Kommunismus und erst recht nicht der Sozialismus wollte nicht das Geld- und Marktsystem überwinden. Dafür wollten sie das Eigentum abschaffen.

Wir gehen genau den anderen Weg: Wir wollen die Marktwirtschaft und das Geldsystem überwinden, ihr Eigentum allerdings können alle behalten, wenn sie denn wollen.

Ein weiterer Unterscheidungspunkt: „Kommunistische“ Systemumstürze der Vergangenheit passierten meist mit Gewalt. Wir sind eine gewaltfreie Bewegung: Eine Mehrheit der Bevölkerung muss von einer geldbefreiten Gesellschaft und geldlosen Wirtschaft überzeugt sein, damit sie eingeführt werden kann.

Natürlich gibt es aber auch Überschneidungen mit kommunistischen und anarchistischen Ideen und deren freiheitlichen Idealen. Mit dem Zitat von Marx „Jeder nach seinen Bedürfnissen, jeder nach seinen Fähigkeiten“ beispielsweise können wir sehr viel anfangen.

Wir wollen selbstverständlich nicht zu einem System zurück wo die Menschen angeblich Äpfel gegen Birnen tauschten.

Wir wollen nicht nur das Geldsystem hinter uns lassen sondern auch den Tausch.

Wir sind Befürworter:innen eines kooperativen Wirtschaftssystems, das mit moderner Technik die Nachfrage und Bedürfnisse der Bevölkerung in Echtzeit an produzierende Unternehmen weitergibt. Diese produzieren alle Dinge, die die Bevölkerung zum guten Leben braucht und geben diese kostenlos ob.

Im Gegenzug verlangt auch niemand einen Lohn für seine Arbeit.

Schweizübergreifend produziert ein kooperatives Unternehmensnetz alles, was nötig ist, um die Nachfrage im Inland aber auch im Ausland befriedigen zu können.

Was nicht innerhalb der Schweiz produziert werden kann, wird im Ausland eingekauft. Im Gegenzug verkauft die Schweiz auch zahlreiche Dinge und Dienstleistungen ins Ausland.

Was ist das Problem von Marktwirtschaft, Kapitalismus und Geldwirtschaft?

Die Art und Weise wie eine Volkswirtschaft funktioniert, hat direkte Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Wenn das oberste Ziel die Gewinnmaximierung ist, also dass Unternehmen, das Management und das Aktionariat möglichst viel Profit erzielen können, müssen andere Faktoren untergeordnet werden. So wird das Wohl der Angestellten, der Umwelt oder des Klimas als nicht genügend relevant betrachtet, um fürsorgend mit ihnen umzugehen. Im Gegenteil: Hohe Lohnkosten, strenge Umweltschutzmassnahmen oder Klimaschonende Produktionsweisen schmälern oft den Profit.

Weiter ist die Marktwirtschaft darauf angewiesen, dass Menschen ihre Produkte immer wieder in Anspruch nehmen. Dadurch wird nicht so produziert, dass Dinge möglichst lange halten, sondern, dass sie immer wieder neu gekauft werden müssen. Dadurch steigt auch der ökologische Fussabdruck und die Klimabelastung stetig an.

Mittels Werbung und Methoden, die aus der Psychologie stammen werden Menschen zusätzlich movitiert, immer mehr zu kaufen. Auf Kosten der Umwelt und des Klimas.

Die globale Wirtschaft erfordert einen „zyklischen Konsum“, um zu funktionieren. Das heisst also, Geld muss ständig zirkulieren. Deshalb müssen ununterbrochen neue Waren und Dienstleistungen eingeführt werden, unabhängig von der Umweltsituation und der tatsächlichen menschlichen Notwendigkeit. Dieser Prozess ist künstlich und birgt einen gewaltigen Fehler in sich, da wir wissen, dass unsere natürlichen Ressourcen einfach nicht unbegrenzt vorhanden sind. Unsere Ressourcen sind endlich und die Erde ist im Grunde ein geschlossenes System.

Die Annahme, dass wir konstant konsumieren müssen, um Arbeitsplätze zu bewahren und damit die Marktwirtschaft am Laufen zu halten, kann auf Dauer nicht funktionieren.

Per Definition ist das eigentliche Ziel einer Wirtschaft das Haushalten, d.h. das Erreichen grösstmöglicher Effizienz im Bereich der Produktion, Bereitstellung und Verteilung von Produkten und Dienstleistungen unter strategischer Wahrung unserer Ressourcen. Unser heutiges System verlangt genau das Gegenteil.

Die Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass auf einem „Markt“ verschiedene Unternehmen unterschiedliche Produkte anbieten. Während in der Theorie dadurch die besten Produkte und Unternehmen gefördert werden, ist es in der Realität so, dass Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen müssen.

Das führt dazu, dass Produkte immer billiger und schlechter produziert werden. Dass Löhne unter Druck geraten, weil auf einem anderen Fleck dieses Planeten noch günstiger produziert werden kann.

Unternehmen, die in diesem globalen Konkurrenzkampf nicht bestehen, gehen konkurs oder werden aufgekauft. Das führt zu einer Konzentration von immer weniger, immer grösseren Konzernen, die die weltweite Produktion unter sich aufteilen.

Die Marktwirtschaft hat zur Folge, dass es auf Ebene der Unternehmen einige wenige Gewinner:innen und ganz viele Verlierer:innen gibt.

Aber auch auf der Ebene der Menschen und Arbeitnehmenden führen ähnliche Mechanismen zu globalem Wettbewerb mit einigen Gewinner:innen und einer grossen Masse an Verlierer:innen.

Der globale Wettbewerb zwischen Unternehmen, Menschen (aber auch Staaten) ist ein zentraler Mechanismus der Marktwirtschaft und führt zu Ungleichheit, Armut, Unsicherheit bis hin zu Krieg um Ressourcen.

Der Marktwirtschaft liegt der Glaube zugrunde, dass die Wirtschaft immer weiter wachsen kann und soll. Das ist aber schlicht unmöglich: Unsere Erde wächst nicht mit! Sie hat eine bestimmte Anzahl Ressourcen und verschiedene Obergrenzen, die nicht überschritten werden sollten, wenn wir unsere eigenen Lebensgrundlagen nicht gefährden möchten.

Nun gibt es verschiedene Ökonomen und zahlreiche Menschen, die davon sprechen, dass ein grünes, ökologisches Wachstum möglich sei. Defacto beweisen aber immer mehr Studien, dass dies Wunschdenken ist, um der Realität nicht ins Auge schauen zu müssen:

Wir verändern mit unserem Wachsumtswahn gerade unser aller Heimatplaneten zu einem bislang unvorstellbaren Masse. Und wir wissen nicht, was das für Folgen hat. Aber wir können es bereits beobachten: Klimakrise, Trockenheit, Verlust von fruchtbarem Boden, der Artenvielfalt, Verschmutzung von riesigen Landstrichen, Abholzung von Urwäldern, Zubetonierung von Grünflächen, etc.

Wer nüchtern in die Welt schaut, muss dem Wachstumsgedanken kritisch gegenüber stehen, auch wenn er Arbeitsplätze und stetiger Wohlstands- und Glückszuwachs verspricht.  Versprechen übrigens, die die Wachstumsmaschine schon lange nicht mehr hält.

Die Marktwirtschaft, die auf ewiges Wachstum, stete Profitsteigerung und Massenproduktion statt Qualität setzt, verschlingt Unmengen an Ressourcen.

Das erste Problem: Die Ressourcen sind sehr ungleich verteilt. Abgebaut werden sie oft unter grossem menschlichem Leid im globalen Süden. Als Massenware benutzt werden sie dagegen oft exklusiv in den Industrieländern.

Das zweite Problem: Es hat schlicht nicht genügend Ressourcen auf diesem Planeten, um eine dermassen verschwenderische Produktion und die meist viel zu kurze Benutzung von Geräten auf Dauer aufrecht halten zu können.

So laufen wir sehenden Auges in Ressourcenknappheiten hinein, mit allem damit verbundenen Elend.

Zwei entgegengesetzte Strömungen behaupten, die Marktwirtschaft müsse nur besser werden, um Probleme wie Umweltzerstörung, Klimakrise oder Ungleichheit zu lösen.

Dabei wird grosszügig übersehen, dass diese Probleme erst mit der Marktwirtschaft entstanden. Einstein würde darauf angesprochen wohl sagen: Man kann ein Problem nicht mit der selben Denkweise lösen, durch die es enstanden ist.

Zurück zu den beiden Strömungen.

Die eine behauptet, dass wir heutzutage gar keine reine Marktwirtschaft hätten, weil der Staat viel zu viel eingreifen würde. Das ist Unsinn. Nur dank den Rahmenbedingungen wie Rechtssicherheit oder dem zur Verfügung stellen von Infrastrukturen, können Unternehmen und die Marktwirtschaft sich entfalten.

Die zweite Strömung hält die Marktwirtschaft für reformierbar: Wenn wir nur bessere Umweltgesetze hätten! Wenn nur mehr Technologie eingesetzt wird! Wenn nur Arbeitsgesetze besser durchgesetzt werden! Die Liste solcher Verbesserungsvorschläge ist lang.

Wir wollen der Marktwirtschaft nicht grundsätzlich seine Verbesserungsfähigkeit absprechen. Wir gehen aber davon aus, dass entsprechende Änderungen einfach viel zu langsam umgesetzt würden. Nur schon weil es mächtige Lobbygruppen gibt, deren Auftraggeber:innen davon profitieren, dass alles bleibt wie es ist.

Und grundsätzlicher: So lange es das oberste Ziel der Mehrheit der Wirtschaftsteilnehmer:innen ist, aus Geld mehr Geld zu machen, werden andere Kriterien – und seien sie noch so wichtig – immer das Nachsehen haben. Die Marktwirtschaft wird also eine ewige Flickerei bleiben. Dafür haben wir einfach keine Zeit mehr.

Alle paar Jahre passiert es wieder: Bauern schütten demonstrativ Milch weg. Sie protestieren damit gegen die tiefen Milchpreise. Und verknappen gleichzeitig die Ware Milch. Das bewirkt, dass der Preis der Milch wieder steigt, weil sich weniger davon auf dem Markt befindet. Es ist absurd.

Schlussfolgerung: In einer Geldwirtschaft muss eine Produkt knapp sein, sonst fällt der Preis gegen 0. Davon kann dann aber niemand mehr Leben, Unternehmen gehen konkurs. So müssen Bauern aber auch andere Unternehmen immer darauf bedacht sein, nicht zu viele Produkte zu produzieren, ein Überfluss (auch wenn er im ökologischen Rahmen und durchaus erwünscht wäre) ist umöglich.

Im geldbasierten Marktsystem wird Geld selbst als Ware gehandelt. Es kann nur aus Schuld als Kredit entstehen und wird gegen Zinsforderungen herausgegeben. Dies ist ein Schneeballsystem. Jedes Mal wenn durch Banken Geld als Ware verkauft wird, muss dieser Kredit inklusive der entstandenen Zinsforderungen zurückgezahlt werden. Das Problem dabei ist, dass dieser geforderte Zinswert nicht in der Geldmenge vorhanden ist und nur durch neue Kredite bedient werden kann. In anderen Worten: Zahlungsschwierigkeiten und Pleiten sind nicht einfach nur Nebenprodukte. Sie sind eine direkte Konsequenz unseres Systems, denn es bleiben stets mehr zu begleichende Schulden offen, als Geld im Umlauf ist. Dies verursacht eine starke Knappheit an Ausgleichsgeldern, die viele Menschen auf vielen Ebenen unterdrückt.

Geld an sich ist doch kein Problem! Kein Geld ist ein Problem!

Alle paar Jahre passiert es wieder: Bauern schütten demonstrativ Milch weg. Sie protestieren damit gegen die tiefen Milchpreise. Und verknappen gleichzeitig die Ware Milch. Das bewirkt, dass der Preis der Milch wieder steigt, weil sich weniger davon auf dem Markt befindet. Es ist absurd.

Schlussfolgerung: In einer Geldwirtschaft muss eine Produkt knapp sein, sonst fällt der Preis gegen 0. Davon kann dann aber niemand mehr Leben, Unternehmen gehen konkurs. So müssen Bauern aber auch andere Unternehmen immer darauf bedacht sein, nicht zu viele Produkte zu produzieren, ein Überfluss (auch wenn er im ökologischen Rahmen und durchaus erwünscht wäre) ist umöglich.

Natürlich ermöglicht Geld einigen Menschen sehr wohl ein Leben im Überfluss. Aber Überfluss oder nur schon Wohlstand für alle ist in einem Geldsystem kaum möglich.

Die Spieltheorie, ein Zweig der Volkswirtschaften, hat durch zahlreiche Experimente, Versuche und Studien aufzeigen können, dass Menschen risikoreicher, egoistischer und rücksichtsloser werden, sobald Geld im Spiel ist.

Und eine der krassesten Ergebnisse liefern Studien über die Verhaltensweisen von jungen Menschen, die den Umgang mit Geld lernen: Studierende der Betriebswissenschaften sind zu beginn des Studiums sozialer und solidarischer eingestellt als am Ende ihres Studiums. Genau diese Menschen leiten dann aber unsere Wirtschaft.

Die offensichtlichste Absurdität der weltweiten Geldwirtschaft ist folgender Fakt: Laut der UNO-Organisation für Ernährungssicherheit (FAO) produziert die Menschheit Nahrungsmittel für über 14 Milliarden Menschen. Wir sind 8 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Trotzdem leidet etwa eine Milliarde an den Folgen von Unterernährung.

Das Geldsystem tötet, weil die wichtigste Regel lautet: Hast du Geld, kannst du dir alles kaufen. Hast du keines, bist du zum Tod verurteilt. Glück hast du, wenn du zufälligerweise in einem Industrieland mit einigermassen akzeptablem Sozialnetz geboren bist…

Wer Geld hat, hat Macht. Wer Geld ausleihen kann, hat noch viel mehr Macht: Über seine Schuldner.

Das ist im Privaten höchst problematisch, auf Stufe von Staaten ist dieser Mechanismus sogar tödlich. Der „Schuldendienst“ des globalen Südens in die Industriestaaten ist eine Erpressungsmaschine sondergleichen und führt zu weiterer Ungleichheit und Armut und verhindert die Entwicklung der Volkswirtschaften.

So lange man mit der Produktion, dem Verkauf und Handel von Waffen Geld machen kann, werden Waffen produziert werden.

Natürlich ist das eine zugespitzte Aussage. Aber wenn man gründlich fragt, woher eigentlich all das Böse und Schlimme auf dieser Welt kommt, so kommt am Ende fast immer die Antwort: Wegen des Geldes.

Wegen Geld werden Frauen und Mädchen entführt und versklavt. Wegen Geld wird gemordet. Wegen Geld wird die Gefährdung von Mensch und Umwelt in Kauf genommen.

Wie funktioniert Import und Export?

Für Konsumierende macht es nur einen Unterschied, ob die Wirtschaft in der Schweiz mit oder ohne Geld funktioniert: Am Ende des Kaufvorgangs ist kein Geld nötig. Und wahrscheinlich würden wir bald nicht mehr „kaufen“ sagen. Konkret: Ich gehe in einen Laden meiner Wahl oder surfe im Onlineshop meiner Wahl, wie ich das heute auch tue. Ich wähle die Produkte, die ich gerne hätte, lege sie in den Einkaufskorb. Ich packe die Produkte ein oder klicke auf bestellen. Und das wars. Ich nehme die Sachen mit nach Hause oder warte auf die Lieferung. Bezahlen muss ich nichts.

Der Onlineshop oder der Laden, in dem ich einkaufen war, muss die von der Bevölkerung gewünschten Produkte höchstwahrscheinlich im Ausland (nach-)bestellen. Das läuft genau gleich wie heutzutage auch. Die Einkaufsabteilung macht eine ganz normale Bestellung bei seinen Lieferant:innen, um Ressourcen, Materialien, Halbfertigungen oder fertige Produkte und Maschinen zu kaufen.

Der Unterschied ist der, dass die Bezahlung nicht direkt vom Unternehmen selbst übernommen wird, sondern von einer zentralen oder vielleicht regionalen oder sogar lokalen Bezahlstelle.

Diese Bezahlstellen sind die Aussenhandelsschnittstellen der Schweizer Volkswirtschaft. Sie bezahlen die Rechnungen von Unternehmen oder auch von Einzelpersonen, die Dinge im Ausland einkaufen. Das nötige Geld dafür fliesst über Exporte zu den Bezahlstellen.

Die Schweiz hat zahlreiche Unternehmen, die unter anderem oder sogar ausschliesslich für die ausländische Nachfrage Dinge produzieren. Das werden sie weiterhin tun, aber wohl mit noch höherer Qualität aber weniger Lohnkosten (es arbeiten ja alle gratis) als anhin.

Sobald Waren ins Ausland verkauft werden, stellt das Unternehmen entsprechend Rechnung an das belieferte Unternehmen oder die Privatperson. So weit so normal. Die Bezahlung fliesst dann aber nicht zum Unternehmen, sondern zu einer der Bezahlstellen, die dadurch wieder Geld erhalten, das für Importe eingesetzt werden kann.

Damit immer genügend Geld für den weltweiten Einkauf von Gütern, Ressourcen, Produkten, Maschinen, Geräten, etc. vorhanden ist, muss die Schweizer Volkswirtschaft ausreichend Dinge in alle Welt verkaufen. Genau gleich, wie sie das heute auch tut.

So lange wir mehr Dinge verkaufen als einkaufen, haben wir keine Probleme.

Wenn wir mehr einkaufen als verkaufen, müssen Lösungen dafür gefunden werden. Beispielsweise müssen die Preise für unsere Exportprodukte erhöht werden. Oder wir versuchen den Eigenversorgungsgrad zu erhöhen. Beides sollte nicht allzu schwer sein, da wir im Gegensatz zu anderen Ländern keine Lohnkosten mehr haben und so viel günstiger aber mit höherer Qualität produzieren können als die Konkurrenz.

Unternehmen und Arbeitnehmende

Arbeitnehmende sind angehalten, ganz normal weiterzuarbeiten. Das ist gerade in der ersten Zeit nach der Umstellung auf eine geldlose Wirtschaft immens wichtig: Denn wir alle wollen ja weiterhin mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden.

Der Deal ist der Folgende: Es arbeiten alle weiter und verlangen keinen Lohn dafür. Dafür ist auch alles gratis, was  zum Leben gebraucht wird.

Trotzdem wird sich das Verhältnis von Arbeitnehmenden zum Unternehmen ändern: Es gibt keinen finanziellen Druck mehr für die Arbeitnehmenden. Sie werden dadurch freier ihre Meinung äussern und störende Umstände kaum länger tolerieren. Das fehlende Einkommen wird sie nicht daran hindern, ihre Arbeitsstelle zu verlassen.

Wahrscheinlich wird dies dazu führen, dass Arbeitsbedingungen verbessert werden, Abläufe geändert und mehr Wert auf hohe Qualität gelegt wird. Wichtig ist es nun ein gutes Produkt herzustellen, nicht die finanzielle Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Wichtig ist, dass die Arbeitnehmenden direkt den Sinn ihrer Arbeit für die Gesellschaft und sich selbst als selbstwirksam wahrnehmen können.

Es kann sein, dass sich innerhalb eines Unternehmens herausstellt, dass ein:e Chef:in nicht mehr nötig ist, weil die Mitarbeitenden sich selbst organisieren wollen.

Andere Unternehmen werden ihr:e Chef:in selbst wählen wollen. Wieder andere werden einfach mal so weiter arbeiten, wie bisher.

Es ist den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden selbst überlassen, unter welchen Bedingungen sie arbeiten möchten, kein finanzieller Druck wird sie weiterhin im Unternehmen halten.

Es wird niemandem ein Unternehmen oder Anteile daran weggenommen.

Allerdings ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Eigentum allgemein zurückgehen wird und Besitz in den Vordergrund rückt. (Der Unterschied: Eigentum kann ich verkaufen. Besitz hingegen kommt durch Gebrauch zustande, ich kann es aber nicht verkaufen.)

Der Grund liegt darin, dass man in einer geldlosen Wirtschaft keine Vorteile mehr aus dem Besitz von Unternehmen ziehen kann, weil keine Dividenden mehr ausgeschüttet werden und die Güter ja für die Bevölkerung und die ausländische Nachfrage produziert werden und nicht mehr zur Bereicherung der Teppichettage und den Unternehmensbesitzenden. Eigentum hat in einer geldbefreiten Gesellschaft also eher überwiegend mehr Nachteile als Vorteile.

Das führt wohl dazu, dass Unternehmen zukünftig eher als Besitz der Mitarbeitenden wahrgenommen werden, da Eigentumstitel, die immer mit Geld zusammenhängen, ihre Bedeutung verlieren, wenn es kein Geld mehr braucht und keine sonstigen Vorteile aus dem Eigentum an Unternehmen gezogen werden können.

Falls du Unternehmer oder Eigentümer eines Unternehmens warst, kannst zukünftig also wohl nicht mehr behaupten, dass ein Unternehmen dir gehört. Die Frage ist, ob das wirklich schlimm ist oder nicht sogar ein Gewinn für alle darstellt.

Ein Unternehmen zu besitzen ist ja immer auch mit Stress, Unsicherheit und Verlustängsten verbunden.

In der geldbefreiten Gesellschaft hingegen brauchst du dir keine existenziellen Sorgen mehr zu machen. Es wird für dich gesorgt wie auch du mithilfst, dass für alle gesorgt sein wird.

Unternehmer:in hingegen kannst du bleiben: Es braucht auch in einer geldlosen Wirtschaft freie Denker:innen und Macher:innen, die Verantwortung für die Produktion von lebenswichtigen Dingen und schönen Produkten übernehmen. Die Gesellschaft wird sie reich mit Hochachtung und Wertschätzung überschütten.

Unternehmen tun auch in einer geldlosen Wirtschaft das, was sie vorher taten: Sie produzieren Dinge oder bieten Dienstleistungen an.

Es kann sein, dass sich das Unternehmen anders organisieren wird, Prozesse anpasst, Produkte verbessert.

Aber weiterhin sind Unternehmen, grosse, mittlere und kleine, die Säulen der Volkswirtschaft und immanend wichtig für die Versorgung der Gesellschaft mit allem Lebensnotwendigen und darüber hinaus.

Verändern werden sich aber mindestens folgende Aspekte:

  • Hin zur Kooperation: Es braucht keine Geschäftsgeheimnisse mehr, Teilen von Ideen, Konzepten, Code, Anleitungen, Rezepturen, Formeln, etc. ist angesagt und bringt die Volkswirtschaft weiter.
  • Keine finanzielle Verrechnung unter Schwesterunternehmen: Innerhalb der Schweiz brauchen nur noch Material- und Stoffströme aufgezeichnet und verrechnet zu werden. Aber innerhalb der Schweiz sind finanzielle Transaktionen nicht mehr nötig.
  • Andere Preispolitik: Da es keine Lohnkosten mehr gibt, können Preiskalkulationen tiefer ausfallen als gewohnt.
  • Importe und Exporte werden über Bezahlstellen abgewickelt: Unternehmen, die im Ausland Dinge, Materialien, Geräte, Maschinen, Rohstoffe, etc. einkaufen, müssen diese nicht mehr selbst bezahlen. Die Bezahlung übernimmt eine zentrale, regionale oder lokale Bezahlstelle. Dies gilt auch für Verkäufe: Das Geld, das dank Verkäufe ins Ausland eingenommen wird, fliesst nicht zu den Unternehmen sondern zu einer der Bezahlstellen.

Für Unternehmen bietet eine geldlose Wirtschaft zahlreiche Vorteile.

  • Weil Arbeitnehmende nicht mehr auf Lohn angewiesen sind, werden nur diejenigen Menschen arbeiten kommen, die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und motiviert sind, eine gute Leistung zu erbringen. Das hat zur Folge, dass der Teamspirit hoch sein wird und das Arbeiten mehr Spass macht als wenn Leute eigentlich nur wegen des Verdienstes arbeiten.
  • Wenn die Lohnkosten wegfallen, ist eine konkurrenzlos günstige Produktion von Gütern möglich. Schweizer Unternehmen werden damit weltweit konkurrenzfähig und müssen sich nicht mehr vor Niedrigpreis-Produktionsländer fürchten. Trotzdem sollten für Produkte, die ins Ausland verkauft werden, anständige Preise verlangt werden, damit die gesamtschweizerische Aussenhandelsbilanz stets positiv bleibt.
  • Als Unternehmer:in muss man sich immer wieder mit globaler Konkurrenz, mit Cashflow-Problemen, mit komplizierten Steuergesetzen, Versicherungen und Wirtschaftlichkeit auseinandersetzen. Das sind grosse Stressfaktoren, die wegfallen, wenn die Wirtschaft geldlos funktioniert. Wichtig sind dann die Bedürfnisse der Bevölkerung und die möglichst hohe Qualität der Produkte.
  • Unternehmerisches Planen wird immer noch einen hohen Stellenwert haben und wer die Verantwortung für wichtige Produktionsgüter hat, wird von der Gesellschaft entsprechend wertgeschätzt. Vielleicht wird diese grosse Verantwortung in ein geldlosen Unternehmen auf mehrere Schultern verteilt, weil finanzielle Kosten keine Rolle mehr spielen.
  • Immer noch wichtig bleiben oder sogar an Wichtigkeit gewinnen, wird die Beschaffung werden. Der Fokus wird hier auf möglichst umweltschonenden Materialien und entsprechenden Lieferant:innen liegen.
  • Allgemein wichtiger werden Faktoren wie die Unternehmenskultur, ökologische Nachhaltigkeit, Ressourcenschonende Produktionsketten, Modularität und Kreislaufmodelle.

Gesellschaft

Sie werden wie alle anderen mit allem Lebensnotwendigen und viel mehr versorgt.

Wir gehen davon aus, dass Menschen, die über lange Zeit nicht tätig sein wollen, krank sind und Hilfe brauchen. Und erst recht brauchen sie vollumfängliche Versorgung.

Du hast recht: Wenn wir eine geldlose Wirtschaft einführen, gehen ganz bestimmt Arbeitsplätze verloren. Beispielsweise in Banken, Versicherungen, Werbeagenturen, beim Finanzamt, Vorsorgeeinrichtungen, der Sozialhilfe und allen Branchen, die überwiegend oder ausschliesslich mit Geld zu tun haben.

Auch wenn sich das heutzutage nach Katastrophe anhört: In einer Welt, die das Geld überwunden hat, ist es nicht mehr bedrohlich, wenn Leute ihre Arbeit verlieren. Denn auch wenn sie nicht mehr arbeiten (können), werden sie trotzdem alle Dinge gratis erhalten. Wie ja auch alle Menschen, die nicht arbeiten können, ohne Bezahlung versorgt werden.

Und jede Person, die vorher in einer Branche gearbeitet hat, die ohne Geld nicht mehr nötig ist, kann mithelfen, die wirklich notwendigen Arbeiten zu erledigen. Das entlastet die gesamte Gesellschaft und wir dürfen guten Mutes sein, dass wir nur noch einen Bruchteil der Arbeitszeit arbeiten müssen als heutzutage.

Nachteile einer geldbefreiten Gesellschaft

Manche Menschen sind mit viel Freizeit überfordert. Sie müssten lernen Zeit zu vergeuden, sich Hobbys zulegen, Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringen.

Menschen, die viel Geld und Besitztümer besassen, könnten den Statusverlust schlecht verkraften, da in einer geldbefreiten Gesellschaft ganz andere Dinge zählen und geschätzt werden. Beispielsweise Hilfsbereitschaft, Wissensdurst, Kreativität, Lösungsorientiertheit, Freundlichkeit, Grosszügigkeit, etc.

Als Reaktion auf die Überwindung von Marktwirtschaft und Geldsystem könnten andere Länder die Schweiz mit Sanktionen belegen, beispielsweise mit hohen Zöllen auf unsere Exporte.

Es ist unvorhersehbar wie die Weltengemeinschaft genau auf eine Überwindung des Geldsystems in der Schweiz reagieren würde.

Wichtig ist bestimmt: Stete und transparente Kommunikation und Dialog über den Prozess wären höchst relevant, um Ängste abzubauen und die Vorteile der Überwindung des Geldsystems und der Marktwirtschaft aufzuzeigen.

Du arbeitest bei einer Bank, einer Versicherung, Werbeagentur, Steuerberatung, beim Finanzamt, Vorsorgeeinrichtung, der Sozialhilfe oder hast sonst irgendwie mit Geld zu tun? Dann gehörst du dem grossen Wirtschaftskreis an. Es kann sein, dass deine Arbeit in einer geldlosen Wirtschaft nicht mehr oder immer weniger gebraucht wird. Trotzdem ist wichtig, dass du in der ersten Übergangsphase weiterarbeiten gehst und dich mit deinen Arbeitskolleg:innen darüber austauscht, wo es euch noch braucht und wo nicht. Das hängt vor allem davon ab, ob eure Dienstleistungen oder Produkte im Inland oder auch im Ausland nachgefragt werden.

Besonders wichtig: Werden eure Dienstleistungen oder Produkte im Ausland weiterhin gebraucht, so macht ihr eine wichtige Arbeit, die die Aussenhandelsbilanz der Volkswirtschaft verbessert: Das ist ein elementarer Teil unserer Einbindung in die Weltwirtschaft und wird benötigt, damit wir die Dinge im Ausland besorgen können, die wir innerhalb der Schweiz nicht herstellen können.

Empfindest du deine Arbeit als überflüssig, so nimm dir Zeit, um zu überlegen, ob deine Arbeit gesellschaftlich wirklich nicht mehr notwendig ist. Sprich mit deinen Arbeitskolleg:innen, deinen Freund:innen und deiner Familie darüber. Wenn du zum Ergebnis kommst, dass deine Arbeit keinen Sinn mehr hat, so hast du die Freiheit, dir zu überlegen, wo du dich neuerdings einbringen willst. Bestimmt gibt es Branchen, die weitere Arbeitskräfte dringend brauchen und sich auf deine Hilfe freuen. Vielleicht findest du in deiner neuen Beschäftigung sogar mehr Sinn als in deinem alten Job, weil du weisst, dass deine Arbeit jetzt wirklich direkt von Nutzen ist.

Durch die grosse Anzahl von neuen Arbeitskräften aus dem grossen Wirtschaftskreis für den kleinen Kreis wird sich die wöchentliche Arbeitszeit wahrscheinlich bemerkenswert verkleinern. Wir gehen davon aus, dass zwei bis drei Tage Arbeit pro Woche pro Person ausreichen werden, um alle Menschen zu versorgen.

Alles, was wir zum Leben brauchen, inklusive Luxusgüter wird in einer geldbefreiten Gesellschaft und Wirtschaft gratis zur Verfügung gestellt. Dies gilt aber für Luxusgüter nur unter zwei Bedingungen:

  1. Die Herstellung, Benutzung oder Entsorgung des Luxusgutes darf die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht sprengen.
  2. Es müssen genügend Luxusgüter für alle da sein.

Luxusgüter, die diese beiden Kriterien nicht erfüllen können, werden nicht mehr hergestellt, es wäre nicht zu verantworten.

Es wird aber daran geforscht werden, diese Luxusgüter so herzustellen, dass sie den Planeten nicht gefährden und für alle zur Verfügung gestellt werden können.

Das Wort „Luxusgut“ würde wohl mit der Zeit nicht mehr verwendet werden, weil es seine Bedeutung verliert.

Du verdienst heute unverschämt viel, kriegst hohe Boni und Dividenden ausbezahlt. Wir hoffen, du konntest dieses Privileg ausreichend geniessen. Hoffentlich  bist du nicht enttäuscht, dass nun auch alle anderen Menschen vom Wohlstand, den du schon lange kennst, profitieren dürfen.

Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Eigentum allgemein zurückgehen wird und Besitz in den Vordergrund rückt. Der Unterschied: Eigentum kann ich verkaufen. Besitz hingegen kommt durch Gebrauch zustande, ich kann es aber nicht verkaufen.

Ein Unternehmen wird also wohl zukünftig als Besitz der Mitarbeitenden wahrgenommen werden, da Eigentumstitel, die immer mit Geld zusammenhängen, ihre Bedeutung verlieren, wenn es kein Geld mehr braucht.

Du kannst zukünftig also wohl nicht mehr behaupten, dass ein Unternehmen dir gehört. Die Frage ist, ob das wirklich schlimm ist oder nicht sogar ein Gewinn für alle darstellt.

Ein Unternehmen zu besitzen ist ja immer auch mit Stress, Unsicherheit und Verlustängsten verbunden.

In der geldbefreiten Gesellschaft hingegen brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen. Es wird für dich gesorgt wie auch du mithilfst, dass für alle gesorgt sein wird.

Vorteile einer geldbefreiten Gesellschaft

Da wir nicht mehr durch Werbung zu Konsum aufgefordert werden, wird viel weniger verbraucht. Das schont unsere natürlichen Ressourcen und erzeugt weniger Treibhausgase. Wenn wir alles geschenkt bekommen, empfinden wir das als Gabe der Natur und wir werden die Natur viel besser schützen wollen.

Wir müssten alle massiv weniger arbeiten und hätten viel mehr Zeit für uns, für unsere Mitmenschen, unsere Familien und Kinder, unsere Eltern und Grosseltern.

Wir würden kaum noch im Stau stehen, wir würden wieder eher dort arbeiten, wo wir wohnen, weil möglichst lokal produziert wird.

Wir könnten gemütlicher arbeiten, keine globale Konkurrenz sässe uns im Nacken.

Das Leben würde lustvoller, ausgefüllter mit Dingen, die das Leben lebenswert machen. Was das ist, muss jede:r selbst entscheiden. Aber keine:r wäre mehr im Geld- und Karriere-Hamsterrad mehr gefangen.

Es gibt in einer geldbefreiten Gesellschaft keine Unterscheidung mehr zwischen Produktion oder Care-Arbeit. Beides ist relevante Arbeit, die gewissenhaft erledigt werden muss.

Eine geldlose Wirtschaft wird deshalb massiv dazu beitragen die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern beseitigen. Wir können nun alles freiwillig tun, wovon wir träumten. Angefangen von der Unterstützung unserer Angehörigen und der Betreuung unserer Kinder, künstlerischen Aktivitäten bis hin zu grossen Projekten wie die Wiederherstellung von Umweltschäden. Finanzielle Aspekte wären nicht mehr relevant. Und wir messen Arbeit nicht mehr am finanziellen Verdienst.

Das heutige Geldwirtschafts-System lässt Menschenrechte zu, aber sie sind nicht grundsätzlich in ihm angelegt. Menschenrechte werden von vielen Staaten als zu teuer angesehen, ein Luxus, den man sich nicht leisten kann.

In einer geldbefreiten Wirtschaft sind Menschenrechte grundsätzlich ins System eingebaut.

Akkordeon Inhalt

Auch in einer der besten Demokratien der Welt hört das Mitbestimmungsrecht ganz schnell auf: Nämlich sobald man zur Arbeit geht und die Befehle der Vorgesetzten ausführen muss.

In einer geldlosen Wirtschaft wären Unternehmen mit der Zeit wohl demokratisch organisiert, da die gemeinsame Bedarfsdeckung langfristig besser funktioniert, wenn alles Wissen, alle Meinungen, Befürchtungen und Chancen gleichwertig eingebunden werden.

Wie sich die politische Demokratie weiterentwickeln würde, ist schwierig zu sagen. Bestimmt gäbe es aber keine millionenschweren Lobbys mehr, die versuchen ihre Interessen ins Parlament zu bekommen. Höchstwahrscheinlich ist auch hier von weiteren Demokratisierungsschritten auszugehen.

Wenn alles gratis ist, gibt es keine Armut mehr. Ziemlich simpel.

In einer Geldwirtschaft mit gesättigten Märkten und globaler Konkurrenz fangen Unternehmen an, ihre Produkte immer billiger zu produzieren. Die Komponenten in Geräten werden immer knapper bemessen, Gehäuse sind aus Plastik statt Metall und werden verklebt und vernietet anstatt verschraubt. Das hat zur Folge, dass Dinge schneller kaputt gehen als nötig und dass es oft schwierig ist, Sachen zu reparieren. Es hat die zweite durchaus erwünschte Folge, dass Dinge immer wieder verkauft werden können, was den Konsumkreislauf weiter am Leben erhält. Das ist für Unternehmen aber auch Arbeitnehmende überlebenswichtig.

In einer geldlosen Wirtschaft würden Produkte ganz anders designt und gebaut: Sie sollen möglichst lange halten, denn niemand will mehr Aufwand als nötig. Zudem wären Geräte reparierbar und am Ende ihres Lebens so zerlegbar, dass ihre Komponenten und Materialien zu neuen Gegenständen verbaut werden können.

In einer geldlosen Wirtschaft hätten wir also wohl nicht alle vier Monate neue Smartphone-Modelle. Dafür hätten wir solide Geräte, die lange halten, reparierbar sind, über Jahre hinweg mit Updates und Upgrades versorgt werden und am Ende ihres Lebens keinen Abfall generieren.

Da in einer geldlosen Wirtschaft keine Lohnkosten bezahlt werden müssen, könnten wir Dinge und Dienstleistungen zu konkurrenzlos günstigen Konditionen in alle Welt verkaufen. Und das in höchster Qualität, weil wir Geräte so bauen, dass sie möglichst lange halten.

Das hätte wohl einen Domino-Effekt, denn kein Land könnte mit unseren günstigen Preisen mithalten. Entweder würden Schweizer Produkte mit Zöllen belegt. Oder andere Länder führen ebenfalls eine geldlose Wirtschaft ein, was wiederum für alle von Vorteil wäre.

Wenn Unternehmen nicht mehr miteinander konkurrenzieren müssen sondern miteinander kooperieren, werden alle Geschäftsgeheimnisse gelüftet werden können. Unternehmen würden alle ihre Pläne offen legen können, Codes veröffentlichen, alles würde opensource und dürfte kopiert, verändert und weiterverwendet werden. Was heute unter Software-Programmierer:innen gang und gäbe ist, gilt in einer geldbefreiten Gesellschaft für alle Bereiche der Wirtschaft.

Das hätte immensen Fortschritt zur Folge, weil Erfindungen schneller in Umlauf kämen und Entdeckungen nicht mehr geheimgehalten werden müssten. Die Schweiz als Entwicklungs- und Forschungsland würde einsame Spitze.

Viele Projekte, und seien sie noch so sinnvoll, können heutzutage aufgrund von Geldmangel nicht umgesetzt werden.

Wenn das Geldsystem überwunden ist, wäre das Potenzial für gigantische Projekte nicht nur riesig, sie könnten auch ohne den Einsatz von Geld einfach umgesetzt werden. Die einzigen Limitierungen wären die Grenzen des Planeten, ökologische Schutzmassnahmen und das Vorhandensein der notwendigen Ressourcen.

Wenn sich alle Unternehmen der Schweiz kooperativ zusammenschliessen und wir als Gesellschaft kollektiv dafür sorgen, dass die gesamte Bevölkerung mit allem versorgt ist, braucht sich niemand mehr existenzielle Sorgen zu machen. Jede:r trägt zum Wohl von allen bei und gemeinsam sorgen wir dafür, dass es uns in materieller Hinsicht an nichts fehlt.

Impressum: Institut für Gratiskultur, 3322 Urtenen-Schönbühl, www.gratiskult.ch, Kontakt: hallo@gratiskult.ch

Im Sinne der Gratiskultur haben wir uns hemmlungslos bei diversen Quellen für diese Texte bedient, sie weiterbearbeitet und verändert. Im Gegenzug darf mit diesen Texten gerne ebenso verfahren werden.

 

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