Marktwirtschaft & Kapitalismus ist gut!?

Noch immer hält sich die Vorstellung hartnäckig, dass Marktwirtschaft und Kapitalismus (wir verwenden die Begriffe im Folgenden synonym) alternativlos seien und dass ohne kein Wohlstand möglich sei. Ausgeblendet wird bei dieser Argumentation, dass die Marktwirtschaft immer schon ein Mittel der Ausbeutung von Mensch und Natur war.

Wir wollen im Folgenden erläutern, weshalb wir es als unumgänglich betrachten, dass die Marktwirtschaft überwunden wird. Dabei sind wir uns bewusst, dass uns vorgeworfen werden kann, hier eine verkürzte Kapitalismuskritik anzubringen. Deshalb verweisen wir hier auf viele Quellen und weiterführende Literatur, die ein kompletteres Bild unserer Analyse und Kritik ergeben.

Die Art und Weise wie eine Volkswirtschaft funktioniert, hat direkte Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima. Wenn das oberste Ziel die Gewinnmaximierung ist, also dass Unternehmen, das Management und das Aktionariat möglichst viel Profit erzielen können, müssen andere Faktoren untergeordnet werden. So wird das Wohl der Angestellten, der Umwelt oder des Klimas als nicht genügend relevant betrachtet, um fürsorgend mit ihnen umzugehen. Im Gegenteil: Hohe Lohnkosten, strenge Umweltschutzmassnahmen oder Klimaschonende Produktionsweisen schmälern oft den Profit.

Weiter ist die Marktwirtschaft darauf angewiesen, dass Menschen ihre Produkte immer wieder in Anspruch nehmen. Dadurch wird nicht so produziert, dass Dinge möglichst lange halten, sondern, dass sie immer wieder neu gekauft werden müssen. Dadurch steigt auch der ökologische Fussabdruck und die Klimabelastung stetig an.

Mittels Werbung und Methoden, die aus der Psychologie stammen werden Menschen zusätzlich movitiert, immer mehr zu kaufen. Auf Kosten der Umwelt und des Klimas.

Die globale Wirtschaft erfordert einen „zyklischen Konsum“, um zu funktionieren. Das heisst also, Geld muss ständig zirkulieren. Deshalb müssen ununterbrochen neue Waren und Dienstleistungen eingeführt werden, unabhängig von der Umweltsituation und der tatsächlichen menschlichen Notwendigkeit. Dieser Prozess ist künstlich und birgt einen gewaltigen Fehler in sich, da wir wissen, dass unsere natürlichen Ressourcen einfach nicht unbegrenzt vorhanden sind. Unsere Ressourcen sind endlich und die Erde ist im Grunde ein geschlossenes System.

Die Annahme, dass wir konstant konsumieren müssen, um Arbeitsplätze zu bewahren und damit die Marktwirtschaft am Laufen zu halten, kann auf Dauer nicht funktionieren.

Per Definition ist das eigentliche Ziel einer Wirtschaft das Haushalten, d.h. das Erreichen grösstmöglicher Effizienz im Bereich der Produktion, Bereitstellung und Verteilung von Produkten und Dienstleistungen unter strategischer Wahrung unserer Ressourcen. Unser heutiges System verlangt genau das Gegenteil.

Die Marktwirtschaft zeichnet sich dadurch aus, dass auf einem „Markt“ verschiedene Unternehmen unterschiedliche Produkte anbieten. Während in der Theorie dadurch die besten Produkte und Unternehmen gefördert werden, ist es in der Realität so, dass Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen müssen.

Das führt dazu, dass Produkte immer billiger und schlechter produziert werden. Dass Löhne unter Druck geraten, weil auf einem anderen Fleck dieses Planeten noch günstiger produziert werden kann.

Unternehmen, die in diesem globalen Konkurrenzkampf nicht bestehen, gehen konkurs oder werden aufgekauft. Das führt zu einer Konzentration von immer weniger, immer grösseren Konzernen, die die weltweite Produktion unter sich aufteilen.

Die Marktwirtschaft hat zur Folge, dass es auf Ebene der Unternehmen einige wenige Gewinner:innen und ganz viele Verlierer:innen gibt.

Aber auch auf der Ebene der Menschen und Arbeitnehmenden führen ähnliche Mechanismen zu globalem Wettbewerb mit einigen Gewinner:innen und einer grossen Masse an Verlierer:innen.

Der globale Wettbewerb zwischen Unternehmen, Menschen (aber auch Staaten) ist ein zentraler Mechanismus der Marktwirtschaft und führt zu Ungleichheit, Armut, Unsicherheit bis hin zu Krieg um Ressourcen.

Der Marktwirtschaft liegt der Glaube zugrunde, dass die Wirtschaft immer weiter wachsen kann und soll. Das ist aber schlicht unmöglich: Unsere Erde wächst nicht mit! Sie hat eine bestimmte Anzahl Ressourcen und verschiedene Obergrenzen, die nicht überschritten werden sollten, wenn wir unsere eigenen Lebensgrundlagen nicht gefährden möchten.

Nun gibt es verschiedene Ökonomen und zahlreiche Menschen, die davon sprechen, dass ein grünes, ökologisches Wachstum möglich sei. Defacto beweisen aber immer mehr Studien, dass dies Wunschdenken ist, um der Realität nicht ins Auge schauen zu müssen:

Wir verändern mit unserem Wachsumtswahn gerade unser aller Heimatplaneten zu einem bislang unvorstellbaren Masse. Und wir wissen nicht, was das für Folgen hat. Aber wir können es bereits beobachten: Klimakrise, Trockenheit, Verlust von fruchtbarem Boden, der Artenvielfalt, Verschmutzung von riesigen Landstrichen, Abholzung von Urwäldern, Zubetonierung von Grünflächen, etc.

Wer nüchtern in die Welt schaut, muss dem Wachstumsgedanken kritisch gegenüber stehen, auch wenn er Arbeitsplätze und stetiger Wohlstands- und Glückszuwachs verspricht.  Versprechen übrigens, die die Wachstumsmaschine schon lange nicht mehr hält.

Die Marktwirtschaft, die auf ewiges Wachstum, stete Profitsteigerung und Massenproduktion statt Qualität setzt, verschlingt Unmengen an Ressourcen.

Das erste Problem: Die Ressourcen sind sehr ungleich verteilt. Abgebaut werden sie oft unter grossem menschlichem Leid im globalen Süden. Als Massenware benutzt werden sie dagegen oft exklusiv in den Industrieländern.

Das zweite Problem: Es hat schlicht nicht genügend Ressourcen auf diesem Planeten, um eine dermassen verschwenderische Produktion und die meist viel zu kurze Benutzung von Geräten auf Dauer aufrecht halten zu können.

So laufen wir sehenden Auges in Ressourcenknappheiten hinein, mit allem damit verbundenen Elend.

Zwei entgegengesetzte Strömungen behaupten, die Marktwirtschaft müsse nur besser werden, um Probleme wie Umweltzerstörung, Klimakrise oder Ungleichheit zu lösen.

Dabei wird grosszügig übersehen, dass diese Probleme erst mit der Marktwirtschaft entstanden. Einstein würde darauf angesprochen wohl sagen: Man kann ein Problem nicht mit der selben Denkweise lösen, durch die es enstanden ist.

Zurück zu den beiden Strömungen.

Die eine behauptet, dass wir heutzutage gar keine reine Marktwirtschaft hätten, weil der Staat viel zu viel eingreifen würde. Das ist Unsinn. Nur dank den Rahmenbedingungen wie Rechtssicherheit oder dem zur Verfügung stellen von Infrastrukturen, können Unternehmen und die Marktwirtschaft sich entfalten.

Die zweite Strömung hält die Marktwirtschaft für reformierbar: Wenn wir nur bessere Umweltgesetze hätten! Wenn nur mehr Technologie eingesetzt wird! Wenn nur Arbeitsgesetze besser durchgesetzt werden! Die Liste solcher Verbesserungsvorschläge ist lang.

Wir wollen der Marktwirtschaft nicht grundsätzlich seine Verbesserungsfähigkeit absprechen. Wir gehen aber davon aus, dass entsprechende Änderungen einfach viel zu langsam umgesetzt würden. Nur schon weil es mächtige Lobbygruppen gibt, deren Auftraggeber:innen davon profitieren, dass alles bleibt wie es ist.

Und grundsätzlicher: So lange es das oberste Ziel der Mehrheit der Wirtschaftsteilnehmer:innen ist, aus Geld mehr Geld zu machen, werden andere Kriterien – und seien sie noch so wichtig – immer das Nachsehen haben. Die Marktwirtschaft wird also eine ewige Flickerei bleiben. Dafür haben wir einfach keine Zeit mehr.

Alle paar Jahre passiert es wieder: Bauern schütten demonstrativ Milch weg. Sie protestieren damit gegen die tiefen Milchpreise. Und verknappen gleichzeitig die Ware Milch. Das bewirkt, dass der Preis der Milch wieder steigt, weil sich weniger davon auf dem Markt befindet. Es ist absurd.

Schlussfolgerung: In einer Geldwirtschaft muss eine Produkt knapp sein, sonst fällt der Preis gegen 0. Davon kann dann aber niemand mehr Leben, Unternehmen gehen konkurs. So müssen Bauern aber auch andere Unternehmen immer darauf bedacht sein, nicht zu viele Produkte zu produzieren, ein Überfluss (auch wenn er im ökologischen Rahmen und durchaus erwünscht wäre) ist umöglich.

Im geldbasierten Marktsystem wird Geld selbst als Ware gehandelt. Es kann nur aus Schuld als Kredit entstehen und wird gegen Zinsforderungen herausgegeben. Dies ist ein Schneeballsystem. Jedes Mal wenn durch Banken Geld als Ware verkauft wird, muss dieser Kredit inklusive der entstandenen Zinsforderungen zurückgezahlt werden. Das Problem dabei ist, dass dieser geforderte Zinswert nicht in der Geldmenge vorhanden ist und nur durch neue Kredite bedient werden kann. In anderen Worten: Zahlungsschwierigkeiten und Pleiten sind nicht einfach nur Nebenprodukte. Sie sind eine direkte Konsequenz unseres Systems, denn es bleiben stets mehr zu begleichende Schulden offen, als Geld im Umlauf ist. Dies verursacht eine starke Knappheit an Ausgleichsgeldern, die viele Menschen auf vielen Ebenen unterdrückt.

Impressum: Institut für Gratiskultur, 3322 Urtenen-Schönbühl, www.gratiskult.ch, Kontakt: hallo@gratiskult.ch

Im Sinne der Gratiskultur haben wir uns hemmlungslos bei diversen Quellen für diese Texte bedient, sie weiterbearbeitet und verändert. Im Gegenzug darf mit diesen Texten gerne ebenso verfahren werden.

 

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