Was ist mit Unternehmen?

Welche Veränderungen gibt eine geldlose Wirtschaft innerhalb und ausserhalb von Unternehmen? Wie wird gearbeitet werden? Wem gehören die Unternehmen, wenn es kein Geld mehr gibt? Fragen über Fragen, zu Recht!

Grundsätzlich wird in Unternehmen gleich weitergearbeitet wie vorher. In einem längeren Prozess werden sich aber Veränderungen einstellen, vor allem was die Arbeitsbedingungen anbelangt. Folgende Entwicklungen sind zu erwarten:

Arbeitnehmende sind angehalten, ganz normal weiterzuarbeiten. Das ist gerade in der ersten Zeit nach der Umstellung auf eine geldlose Wirtschaft immens wichtig: Denn wir alle wollen ja weiterhin mit allem Lebensnotwendigen versorgt werden.

Der Deal ist der Folgende: Es arbeiten alle weiter und verlangen keinen Lohn dafür. Dafür ist auch alles gratis, was  zum Leben gebraucht wird.

Trotzdem wird sich das Verhältnis von Arbeitnehmenden zum Unternehmen ändern: Es gibt keinen finanziellen Druck mehr für die Arbeitnehmenden. Sie werden dadurch freier ihre Meinung äussern und störende Umstände kaum länger tolerieren. Das fehlende Einkommen wird sie nicht daran hindern, ihre Arbeitsstelle zu verlassen.

Wahrscheinlich wird dies dazu führen, dass Arbeitsbedingungen verbessert werden, Abläufe geändert und mehr Wert auf hohe Qualität gelegt wird. Wichtig ist es nun ein gutes Produkt herzustellen, nicht die finanzielle Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Wichtig ist, dass die Arbeitnehmenden direkt den Sinn ihrer Arbeit für die Gesellschaft und sich selbst als selbstwirksam wahrnehmen können.

Es kann sein, dass sich innerhalb eines Unternehmens herausstellt, dass ein:e Chef:in nicht mehr nötig ist, weil die Mitarbeitenden sich selbst organisieren wollen.

Andere Unternehmen werden ihr:e Chef:in selbst wählen wollen. Wieder andere werden einfach mal so weiter arbeiten, wie bisher.

Es ist den Unternehmen und ihren Mitarbeitenden selbst überlassen, unter welchen Bedingungen sie arbeiten möchten, kein finanzieller Druck wird sie weiterhin im Unternehmen halten.

Es wird niemandem ein Unternehmen oder Anteile daran weggenommen.

Allerdings ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Eigentum allgemein zurückgehen wird und Besitz in den Vordergrund rückt. (Der Unterschied: Eigentum kann ich verkaufen. Besitz hingegen kommt durch Gebrauch zustande, ich kann es aber nicht verkaufen.)

Der Grund liegt darin, dass man in einer geldlosen Wirtschaft keine Vorteile mehr aus dem Besitz von Unternehmen ziehen kann, weil keine Dividenden mehr ausgeschüttet werden und die Güter ja für die Bevölkerung und die ausländische Nachfrage produziert werden und nicht mehr zur Bereicherung der Teppichettage und den Unternehmensbesitzenden. Eigentum hat in einer geldbefreiten Gesellschaft also eher überwiegend mehr Nachteile als Vorteile.

Das führt wohl dazu, dass Unternehmen zukünftig eher als Besitz der Mitarbeitenden wahrgenommen werden, da Eigentumstitel, die immer mit Geld zusammenhängen, ihre Bedeutung verlieren, wenn es kein Geld mehr braucht und keine sonstigen Vorteile aus dem Eigentum an Unternehmen gezogen werden können.

Falls du Unternehmer oder Eigentümer eines Unternehmens warst, kannst zukünftig also wohl nicht mehr behaupten, dass ein Unternehmen dir gehört. Die Frage ist, ob das wirklich schlimm ist oder nicht sogar ein Gewinn für alle darstellt.

Ein Unternehmen zu besitzen ist ja immer auch mit Stress, Unsicherheit und Verlustängsten verbunden.

In der geldbefreiten Gesellschaft hingegen brauchst du dir keine existenziellen Sorgen mehr zu machen. Es wird für dich gesorgt wie auch du mithilfst, dass für alle gesorgt sein wird.

Unternehmer:in hingegen kannst du bleiben: Es braucht auch in einer geldlosen Wirtschaft freie Denker:innen und Macher:innen, die Verantwortung für die Produktion von lebenswichtigen Dingen und schönen Produkten übernehmen. Die Gesellschaft wird sie reich mit Hochachtung und Wertschätzung überschütten.

Unternehmen tun auch in einer geldlosen Wirtschaft das, was sie vorher taten: Sie produzieren Dinge oder bieten Dienstleistungen an.

Es kann sein, dass sich das Unternehmen anders organisieren wird, Prozesse anpasst, Produkte verbessert.

Aber weiterhin sind Unternehmen, grosse, mittlere und kleine, die Säulen der Volkswirtschaft und systemrelevant für die Versorgung der Gesellschaft mit allem Lebensnotwendigen und darüber hinaus.

Verändern werden sich aber mindestens folgende Aspekte:

  • Hin zur Kooperation: Es braucht keine Geschäftsgeheimnisse mehr, Teilen von Ideen, Konzepten, Code, Anleitungen, Rezepturen, Formeln, etc. ist angesagt und bringt die Volkswirtschaft weiter.
  • Keine finanzielle Verrechnung unter Schwesterunternehmen: Innerhalb der Schweiz brauchen nur noch Material- und Stoffströme aufgezeichnet und verrechnet zu werden. Aber innerhalb der Schweiz sind finanzielle Transaktionen nicht mehr nötig.
  • Andere Preispolitik: Da es keine Lohnkosten mehr gibt, können Preiskalkulationen tiefer ausfallen als gewohnt.
  • Importe und Exporte werden über Bezahlstellen abgewickelt: Unternehmen, die im Ausland Dinge, Materialien, Geräte, Maschinen, Rohstoffe, etc. einkaufen, müssen diese nicht mehr selbst bezahlen. Die Bezahlung übernimmt eine zentrale, regionale oder lokale Bezahlstelle. Dies gilt auch für Verkäufe: Das Geld, das dank Verkäufe ins Ausland eingenommen wird, fliesst nicht zu den Unternehmen sondern zu einer der Bezahlstellen.

Wir sind überzeugt, dass Menschen tätige Wesen sind. Wir wollen erschaffen und kreativ sein. Wir wollen gesellschaftliche Anerkennung durch unser Tun bekommen. Und die meisten Menschen wollen Anteil am wirtschaftlichen Leben haben.

Allerdings wollen wir den Sinn unserer Arbeit sehen. Und höchstwahrscheinlich wollen die wenigsten Menschen fünf Tage die Woche acht Stunden arbeiten. In einer geldlosen Wirtschaft wird das aber auch gar nicht nötig sein, weil viele heute nötige Arbeit zukünftig nicht mehr anfällt. Die tatsächlich notwendige Arbeit wird so auf weit mehr Schultern aufgeteilt werden können.

Manche Menschen würden in einer geldlosen Wirtschaft wohl trotzdem die meiste Zeit arbeiten. Andere hingegen würden wöchentlich wohl nur wenige Stunden arbeiten und sich anderen Dingen widmen.

In einer geldbefreiten Gesellschaft gibt es keine Druckmittel ausser der Verantwortung jedes Einzelnen gegenüber der Gesellschaft, seinen Anteil am Gesamtwohl beizutragen.

Es kann also sein, dass manche Menschen tatsächlich nicht arbeiten wollen. Diese Leute gibt es allerdings auch schon heute. Wir gehen davon aus, dass es solche Phasen im Leben von manchen Personen geben kann, dass sie allerdings vorüber gehen.

Falls wichtige Produkte plötzlich nicht mehr hergestellt werden könnten, weil die Menschen zu wenig arbeiten würden, müsste gemeinsam und demokratisch über angemessene Regeln beschlossen werden. Denkbar ist beispielsweise ein Minium an zu leistenden Arbeitsstunden. Oder dass knappe Güter nur dann erhältlich sind, wenn eine bestimmte Anzahl Arbeitsstunden nachgewiesen werden kann. Wir gehen aber nicht davon aus, dass das nötig sein wird.

Für Unternehmen bietet eine geldlose Wirtschaft zahlreiche Vorteile.

  • Weil Arbeitnehmende nicht mehr auf Lohn angewiesen sind, werden nur diejenigen Menschen arbeiten kommen, die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und motiviert sind, eine gute Leistung zu erbringen. Das hat zur Folge, dass der Teamgeist hoch sein wird und das Arbeiten mehr Spass macht als wenn Leute eigentlich nur wegen des Verdienstes arbeiten.
  • Wenn die Lohnkosten wegfallen, ist eine konkurrenzlos günstige Produktion von Gütern möglich. Schweizer Unternehmen werden damit weltweit konkurrenzfähig und müssen sich nicht mehr vor Niedrigpreis-Produktionsländer fürchten. Trotzdem sollten für Produkte, die ins Ausland verkauft werden, anständige Preise verlangt werden, damit die gesamtschweizerische Aussenhandelsbilanz im Saldo stets positiv bleibt.
  • Als Unternehmer:in muss man sich immer wieder mit globaler Konkurrenz, mit Cashflow-Problemen, mit komplizierten Steuergesetzen, zahlreichen Versicherungen und Wirtschaftlichkeit auseinandersetzen. Das sind grosse Stressfaktoren, die wegfallen, wenn die Wirtschaft geldlos funktioniert. Welche Erleichterung! Wichtig sind in einer geldlosen Wirtschaft andere Faktoren und Herausforderungen: In ökologisch sinnvollem Rahmen soll der Bedarf der Bevölkerung und die ausländische Nachfrage mit möglichst geringem Arbeits- und Ressourcenaufwand gedeckt werden.  Und es ist die höchstmögliche Qualität der Produkte zu erreichen.
  • Unternehmerisches Planen und Handeln wird immer noch einen hohen Stellenwert haben. Wer die Verantwortung für wichtige Produktionsgüter und Dienstleistungen hat, wird von der Gesellschaft entsprechend wertgeschätzt. Vielleicht wird diese grosse Verantwortung in ein geldlosen Unternehmen auf mehrere Schultern verteilt, weil finanzielle Kosten keine Rolle mehr spielen.
  • Immer noch wichtig bleiben oder sogar an Wichtigkeit gewinnen, wird die Beschaffung werden. Der Fokus wird hier auf möglichst umweltschonenden Materialien und entsprechenden Lieferant:innen liegen.
  • Allgemein wichtiger werden Faktoren wie eine attraktive Unternehmenskultur, ökologische Nachhaltigkeit, ressourcenschonende Produktionsketten, Langlebigkeit, Modularität, Ökodesign und Kreislaufmodelle, etc.

Impressum: Institut für Gratiskultur, 3322 Urtenen-Schönbühl, www.gratiskult.ch, Kontakt: hallo@gratiskult.ch

Im Sinne der Gratiskultur haben wir uns hemmlungslos bei diversen Quellen für diese Texte bedient, sie weiterbearbeitet und verändert. Im Gegenzug darf mit diesen Texten gerne ebenso verfahren werden.

 

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