Was laberst du? Eine geldbefreite Welt?

Jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Wir schlagen vor, Geld, Tausch, Bilanzen, Steuern, Versicherungen und alles, was mit Geld zusammenhängt, zu überwinden. Das ist radikal im besten Sinne des Wortes: Radikal bedeutet „zur Wurzel“, „zum Ursprung“ (v. latein: radix ‚Wurzel‘, ‚Ursprung‘) und meint, dass wir die Ursache der globalen Probleme anpacken wollen. Die allermeisten Probleme dieser Erde entstanden aufgrund der Marktwirtschaft (Kapitalismus), der damit zusammenhängenden Konkurrenz und dem zugrunde liegenden Gebrauch des Geldsystems.

Wollen wir für zukünftige Generationen eine Erde, deren Klima wieder stabil ist, die Umweltverschmutzungen saniert, die Ungleichheit und Armut besiegt hat und Wohlstand für alle Menschen gewährleisten kann, so müssen wir die Marktwirtschaft samt Geldsystem überwinden.

Wir müssen dem Wirtschaftssystem ein dringend notwendiges System-Upgrade verpassen. Weg von der Konkurrenz, hin zur wirtschaftlichen Kooperation.

Wir schlagen vor, dass wir in der Schweiz ab 1. Januar 2033 alle kein Geld mehr verwenden. Wir verlangen keinen Lohn, gehen aber weiterhin arbeiten. Im Gegenzug ist alles, was wir zum Leben brauchen, gratis. Wir müssen weder für Miete, noch für Kleidung, Nahrungsmittel, Kommunikation, Mobilität oder ein neues Smartphone etwas bezahlen.

Wir gehen davon aus, dass dank des Internets weder Markt noch Geld mehr gebraucht werden, um Wohlstand zu generieren. Die Produktion steuert sich direkt nach den Bedürfnissen und dem Bedarf der Bevölkerung.

Eine geldlose Wirtschaft ist Echtzeitproduktion, unter Umgehung des mühsamen Marktes, der Geldgesetze, Steuern, Abgaben, Bilanzen oder Lohnkosten. Produziert wird, weil es nötig ist und den Wohlstand aller hebt.

Eine grössere Disruption gab es noch nie! Und so würde sich das anfühlen:

Vereinfacht ausgedrückt gibt es zwei Wirtschaftskreisläufe: einen kleinen (Realwirtschaft) und notwendigen Kreislauf, der die Versorgung der Menschen mit Gütern des täglichen Bedarfes sichert. Und einen grossen, spekulativen Kreislauf, in dem die Vermehrung des Geldes die Hauptrolle spielt.

Der kleine Kreislauf ist normalerweise stabil und dient dazu, um Menschen mit den erforderlichen Gütern und Dienstleistungen auszustatten, die sie zum Leben brauchen.

Das wichtigste beim Verschwinden des Geldes ist, dass sich während des Übergangs von der Geldwirtschaft zur Gemeinschaftswirtschaft ohne Geld im kleinen Kreislauf nichts verändern muss oder darf. An dem Tag, an dem das Geld verschwindet, muss jeder genau das machen, was er auch am Tag zuvor gemacht hat. Früh aufstehen, zur Arbeit und nach der Arbeit die gewöhnlichen Besorgungen machen. Da man das Gehalt oder den Lohn meist am Ende des Monats bekommt, merkt man den Unterschied erst, wenn die Kassen im Supermarkt nicht besetzt sind und alle Dinge gratis zu haben sind.

Es ist deshalb wichtig, dass sich nichts verändert, damit die bestehenden Lieferketten bei der täglichen Versorgung nicht gestört werden. Die Lieferkette vom Rohstofflieferanten zur Fabrik, von der Fabrik zum Groshandel und vom Groshandel zum Einzelhandel.

Und diese Kette wird auch ohne Geld weiter funktionieren, weil jeder Beschäftigte in dieser Kette weiterhin seinen Job macht. Genauso wie die Mitarbeiter vom Elektrizitätswerk, Wasserwerk, Abwasserwerk, Fahrer von Zügen, Bussen, Taxis und LKW, medizinisches Personal, Polizisten, Lehrer, Postbedienstete u.s.w.. 

Strassenbauarbeiten gehen weiter, neue Maschinen werden eingebaut, es wird weiter an Neuentwicklungen geforscht. Und jeder der Beschäftigten geht abends in die Geschäfte und nimmt sich das, was er zum Leben braucht. Oder den neuen Fernseher, dessen Anschaffung schon lange geplant war.

 

Wenn das Geld verschwunden ist, wird sich der grosse Kreislauf langsam auflösen, da es keine Möglichkeit und Notwendigkeit mehr gibt, das Geld zu vermehren. Die frei werdenden Beschäftigten unterstützen den kleinen Kreislauf oder werden in der sich entfaltenden Zivilgesellschaft tätig.

Durch die grosse Anzahl von neuen Arbeitskräften für den kleinen Kreis wird sich die wöchentliche Arbeitszeit wahrscheinlich bemerkenswert verkleinern. Wir gehen davon aus, dass zwei bis drei Tage Arbeit pro Woche pro Person ausreichen werden, um alle Menschen zu versorgen.

Die meisten Menschen werden bereit sein, diese wenigen Arbeitstage freiwillig auf sich zu nehmen. Schliesslich ist in dieser Arbeit auch direkt ersichtlich, weshalb sie nötig und sinnvoll ist.

Schwere, gefährliche und eintönige Arbeit, die jetzt von billigen Arbeitskräften ausgeführt wird, wird von Robotern erledigt werden. Oder aufgeteilt, einfacher, attraktiver und ungefährlicher gestaltet.

Dir gehört ein Haus in dem du wohnst? Auch in einer geldbefreiten Welt wirst du weiter darin wohnen, wenn du denn willst.

Ein grosser Unterschied hingegen gibt es: Du wirst nie mehr Zinsen einer Bank bezahlen müssen. Du wirst das Haus zudem energetisch sanieren und eine Solaranlage aufs Dach installieren, alles ohne Kosten.

Die dafür zuständige Bauunternehmung aus der Region wird die nötigen Materialien kostenlos geliefert bekommen und dein Haus zu einem Plus-Energiehaus verbessern. Du bezahlst nichts dafür, musst zukünftig aber weniger heizen und trägst zu einer stabilen Stromversorgung bei.

Du besitzt mehrere Häuser?

Du vermietest deine Häuser? Das ist immer wieder ein grosser Stress, nicht? Mieten eintreiben, Mieter:innen ermahnen, kostenspielige Renovationen, Steuern. All dies entfällt in einer geldbefreiten Wirtschaft. Deine Mieter wohnen ab 2033 kostenlos in den Häusern. Ab 2033 gehören Häuser den Menschen, die darin wohnen.

Wenn dort, wo deine Häuser stehen, Menschen keine Wohnung haben, kannst du es wohl nicht verantworten, sie weiterhin auf der Strasse leben zu lassen. Du bist ja eh nicht darauf angewiesen, dass du Mieteinahmen generierst. Du bist mit allem, was du brauchst, versorgt.

Vielleicht liegen unbenutzte Häuser von dir so schön, dass es nicht mit gutem Gewissen zu vereinbaren ist, dass da nur jeweils wenige Menschen darin leben? Vielleicht wird es Häuser geben, die als kostenlose Ferienwohnungen allen zur Verfügung gestellt werden?

Am Monatsende sind die 4000.- Franken für Lebensmittel, Kleider, Mobilität, Kommunikation, Miete ausgegeben.

Was würde passieren, wenn sie diese ganzen Dinge geschenkt bekämen, aber dafür das Einkommen entfällt? Wäre das nicht das gleiche?

Stell Dir vor, die Mutter in dieser Familie arbeitet als Busfahrerin und der Vater in einem Mineralölunternehmen, das Diesel herstellt. Wir haben ja gesagt, dass das Einkommen bei allen Menschen entfällt, also kostet die Busfahrt nichts, weil ja das Mineralöl ebenfalls kostenlos ist (ein Geschenk der Erde).

Es ist jetzt wie das Ausknobeln einer Rechenaufgabe, wenn Du Dir überlegst, was bei den Lebensmitteln, den Klamotten und den Restaurantbesuchen passiert. Im Grunde genommen ist es überall das Gleiche.

Aber wie ist es nun mit der Miete? Wenn die Familie für nichts etwas bezahlen muss, dann muss natürlich auch der Vermieter für nichts etwas bezahlen. Und damit ergibt sich eine ganz besondere Situation. Stell Dir vor, der Vermieter hat 100 Wohnungen. Muss er Miete kassieren, wenn er alles was er braucht, geschenkt bekommt? Würde er die Mietpreise erhöhen, um noch ein paar Wohnungen mehr kaufen zu können oder deswegen eine Mieterhöhung durchboxen?

Genau so wenig, wie sich der Vermieter anstrengen würde, würden sich auch die Autohersteller anstrengen, um noch mehr Autos zu verkaufen. Und genau so wenig würden sich die Kleiderhersteller anstrengen, um immer mehr Kleider zu verkaufen.

Niemand muss sich anstrengen, um immer mehr zu verkaufen, weil er ja überhaupt nichts davon hat. Sein Leben ist ja auch so gesichert, weil alles kostenlos ist.

Produziert würde nur, was tatsächlich nachgefragt wird, nicht mehr und nicht weniger.

Du lebst auf grossem Fuss? Schön für dich. Bestimmt gönnst du dies auch allen anderen Menschen, so lange dies mit den ökologischen Grenzen unseres Planeten zu vereinbaren ist? Eben. Geht ja.

Ich liebe aber Luxus!

Wenn jede:r alles haben kann, was er will, ganz ohne Preisschild, dann verändert sich unsere Wahrnehmung von Luxus und gesellschaftlichem Status. Das Anhäufen von teuren Gegenständen, der Besitz von Villen, Luxusautos oder Yachten wird kaum mehr als Statussymbole gelten. Luxus und Status werden neu definiert werden. Vielleicht werden Wissenschaftler:innen die neuen Popstars und Menschen, die gerne bedürftige Mitmenschen pflegen die neuen Vorbilder.

Eine sehr häufige Frage ist die, was mit den unangenehmen Tätigkeiten passiert. Wir sind heute dazu in der Lage, die meisten unangenehmen Tätigkeiten angenehmer zu machen, oder sie von Robotern ausführen zu lassen. Aber in unserer Gesellschaft ist es so, dass man immer Menschen findet, die diese unangenehmen Arbeiten billiger machen als wenn man Roboter einsetzen würde. Wenn es kein Geld mehr gibt, dann ist eine freie Entscheidung darüber möglich.

Wenn die Müllentsorgung nicht dem billigsten Anbieter überlassen wird, machen sich die Dörfer, Quartiere und Städte und vorgelagert die Hersteller darüber Gedanken, wie man erreichen kann, dass möglichst wenig Müll anfällt und recycelbare Stoffe möglichst gut und störungsfrei getrennt und transportiert werden.

Vielleicht würde das Reinigen auch mit Festen zelebriert, bei dem auch die nachbarschaftlichen Beziehungen gepflegt werden.

Wir werden wohl viel weniger arbeiten als heute. Deshalb werden wir wohl auch weniger Ferien nötig haben. Die Lust, andere Länder und Gegenden, andere Sitten und Kulturen zu erleben, werden aber wohl weiterbestehen.

Innerhalb geldbefreiter Länder wird Reisen sehr einfach und konfortabel ohne Geld möglich sein. Eine Reservation wie heute auch, wird wohl ausreichen.

Das Reisen in Länder, die weiterhin Geld benutzen, wird wohl anstrengender, ist aber natürlich auch möglich. Das nötige Geld dafür kann beim Staat geordert werden.

Impressum: Institut für Gratiskultur, 3322 Urtenen-Schönbühl, www.gratiskult.ch, Kontakt: hallo@gratiskult.ch

Im Sinne der Gratiskultur haben wir uns hemmlungslos bei diversen Quellen für diese Texte bedient, sie weiterbearbeitet und verändert. Im Gegenzug darf mit diesen Texten gerne ebenso verfahren werden.

 

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