Was sind die Vor- und Nachteile?

Jedes Wirtschaftssystem hat seine Vor- und Nachteile. Wir versuchen hier, offensichtliche Vorteile und Nachteile einer geldbefreiten Gesellschaft und einer geldlosen Wirtschaft aufzuzeigen. Wir versuchen, diese Sammlung immer weiter zu vergrössern.

Nachteile

Manche Menschen sind mit viel Freizeit überfordert. Sie müssten lernen Zeit zu vergeuden, sich Hobbys zulegen, Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringen.

Menschen, die viel Geld und Besitztümer besassen, könnten den Statusverlust schlecht verkraften, da in einer geldbefreiten Gesellschaft ganz andere Dinge zählen und geschätzt werden. Beispielsweise Hilfsbereitschaft, Wissensdurst, Kreativität, Lösungsorientiertheit, Freundlichkeit, Grosszügigkeit, etc.

Als Reaktion auf die Überwindung von Marktwirtschaft und Geldsystem könnten andere Länder die Schweiz mit Sanktionen belegen, beispielsweise mit hohen Zöllen auf unsere Exporte.

Es ist unvorhersehbar wie die Weltengemeinschaft genau auf eine Überwindung des Geldsystems in der Schweiz reagieren würde.

Wichtig ist bestimmt: Stete und transparente Kommunikation und Dialog über den Prozess wären höchst relevant, um Ängste abzubauen und die Vorteile der Überwindung des Geldsystems und der Marktwirtschaft aufzuzeigen.

Du arbeitest bei einer Bank, einer Versicherung, Werbeagentur, Steuerberatung, beim Finanzamt, Vorsorgeeinrichtung, der Sozialhilfe oder hast sonst irgendwie mit Geld zu tun? Dann gehörst du dem grossen Wirtschaftskreis an. Es kann sein, dass deine Arbeit in einer geldlosen Wirtschaft nicht mehr oder immer weniger gebraucht wird. Trotzdem ist wichtig, dass du in der ersten Übergangsphase weiterarbeiten gehst und dich mit deinen Arbeitskolleg:innen darüber austauscht, wo es euch noch braucht und wo nicht. Das hängt vor allem davon ab, ob eure Dienstleistungen oder Produkte im Inland oder auch im Ausland nachgefragt werden.

Besonders wichtig: Werden eure Dienstleistungen oder Produkte im Ausland weiterhin gebraucht, so macht ihr eine wichtige Arbeit, die die Aussenhandelsbilanz der Volkswirtschaft verbessert: Das ist ein elementarer Teil unserer Einbindung in die Weltwirtschaft und wird benötigt, damit wir die Dinge im Ausland besorgen können, die wir innerhalb der Schweiz nicht herstellen können.

Empfindest du deine Arbeit als überflüssig, so nimm dir Zeit, um zu überlegen, ob deine Arbeit gesellschaftlich wirklich nicht mehr notwendig ist. Sprich mit deinen Arbeitskolleg:innen, deinen Freund:innen und deiner Familie darüber. Wenn du zum Ergebnis kommst, dass deine Arbeit keinen Sinn mehr hat, so hast du die Freiheit, dir zu überlegen, wo du dich neuerdings einbringen willst. Bestimmt gibt es Branchen, die weitere Arbeitskräfte dringend brauchen und sich auf deine Hilfe freuen. Vielleicht findest du in deiner neuen Beschäftigung sogar mehr Sinn als in deinem alten Job, weil du weisst, dass deine Arbeit jetzt wirklich direkt von Nutzen ist.

Durch die grosse Anzahl von neuen Arbeitskräften aus dem grossen Wirtschaftskreis für den kleinen Kreis wird sich die wöchentliche Arbeitszeit wahrscheinlich bemerkenswert verkleinern. Wir gehen davon aus, dass zwei bis drei Tage Arbeit pro Woche pro Person ausreichen werden, um alle Menschen zu versorgen.

Alles, was wir zum Leben brauchen, inklusive Luxusgüter wird in einer geldbefreiten Gesellschaft und Wirtschaft gratis zur Verfügung gestellt. Dies gilt aber für Luxusgüter nur unter zwei Bedingungen:

  1. Die Herstellung, Benutzung oder Entsorgung des Luxusgutes darf die ökologischen Grenzen unseres Planeten nicht sprengen.
  2. Es müssen genügend Luxusgüter für alle da sein.

Luxusgüter, die diese beiden Kriterien nicht erfüllen können, werden nicht mehr hergestellt, es wäre nicht zu verantworten.

Es wird aber daran geforscht werden, diese Luxusgüter so herzustellen, dass sie den Planeten nicht gefährden und für alle zur Verfügung gestellt werden können.

Das Wort „Luxusgut“ würde wohl mit der Zeit nicht mehr verwendet werden, weil es seine Bedeutung verliert.

Du verdienst heute unverschämt viel, kriegst hohe Boni und Dividenden ausbezahlt. Wir hoffen, du konntest dieses Privileg ausreichend geniessen. Hoffentlich  bist du nicht enttäuscht, dass nun auch alle anderen Menschen vom Wohlstand, den du schon lange kennst, profitieren dürfen.

Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung von Eigentum allgemein zurückgehen wird und Besitz in den Vordergrund rückt. Der Unterschied: Eigentum kann ich verkaufen. Besitz hingegen kommt durch Gebrauch zustande, ich kann es aber nicht verkaufen.

Ein Unternehmen wird also wohl zukünftig als Besitz der Mitarbeitenden wahrgenommen werden, da Eigentumstitel, die immer mit Geld zusammenhängen, ihre Bedeutung verlieren, wenn es kein Geld mehr braucht.

Du kannst zukünftig also wohl nicht mehr behaupten, dass ein Unternehmen dir gehört. Die Frage ist, ob das wirklich schlimm ist oder nicht sogar ein Gewinn für alle darstellt.

Ein Unternehmen zu besitzen ist ja immer auch mit Stress, Unsicherheit und Verlustängsten verbunden.

In der geldbefreiten Gesellschaft hingegen brauchst du dir keine Sorgen mehr zu machen. Es wird für dich gesorgt wie auch du mithilfst, dass für alle gesorgt sein wird.

Vorteile

Da wir nicht mehr durch Werbung zu Konsum aufgefordert werden, wird viel weniger verbraucht. Das schont unsere natürlichen Ressourcen und erzeugt weniger Treibhausgase. Wenn wir alles geschenkt bekommen, empfinden wir das als Gabe der Natur und wir werden die Natur viel besser schützen wollen.

Wir müssten alle massiv weniger arbeiten und hätten viel mehr Zeit für uns, für unsere Mitmenschen, unsere Familien und Kinder, unsere Eltern und Grosseltern.

Wir würden kaum noch im Stau stehen, wir würden wieder eher dort arbeiten, wo wir wohnen, weil möglichst lokal produziert wird.

Wir könnten gemütlicher arbeiten, keine globale Konkurrenz sässe uns im Nacken.

Das Leben würde lustvoller, ausgefüllter mit Dingen, die das Leben lebenswert machen. Was das ist, muss jede:r selbst entscheiden. Aber keine:r wäre mehr im Geld- und Karriere-Hamsterrad mehr gefangen.

Es gibt in einer geldbefreiten Gesellschaft keine Unterscheidung mehr zwischen Produktion oder Care-Arbeit. Beides ist relevante Arbeit, die gewissenhaft erledigt werden muss.

Eine geldlose Wirtschaft wird deshalb massiv dazu beitragen die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern beseitigen. Wir können nun alles freiwillig tun, wovon wir träumten. Angefangen von der Unterstützung unserer Angehörigen und der Betreuung unserer Kinder, künstlerischen Aktivitäten bis hin zu grossen Projekten wie die Wiederherstellung von Umweltschäden. Finanzielle Aspekte wären nicht mehr relevant. Und wir messen Arbeit nicht mehr am finanziellen Verdienst.

Das heutige Geldwirtschafts-System lässt Menschenrechte zu, aber sie sind nicht grundsätzlich in ihm angelegt. Menschenrechte werden von vielen Staaten als zu teuer angesehen, ein Luxus, den man sich nicht leisten kann.

In einer geldbefreiten Wirtschaft sind Menschenrechte grundsätzlich ins System eingebaut.

Akkordeon Inhalt

Auch in einer der besten Demokratien der Welt hört das Mitbestimmungsrecht ganz schnell auf: Nämlich sobald man zur Arbeit geht und die Befehle der Vorgesetzten ausführen muss.

In einer geldlosen Wirtschaft wären Unternehmen mit der Zeit wohl demokratisch organisiert, da die gemeinsame Bedarfsdeckung langfristig besser funktioniert, wenn alles Wissen, alle Meinungen, Befürchtungen und Chancen gleichwertig eingebunden werden.

Wie sich die politische Demokratie weiterentwickeln würde, ist schwierig zu sagen. Bestimmt gäbe es aber keine millionenschweren Lobbys mehr, die versuchen ihre Interessen ins Parlament zu bekommen. Höchstwahrscheinlich ist auch hier von weiteren Demokratisierungsschritten auszugehen.

Wenn alles gratis ist, gibt es keine Armut mehr. Ziemlich simpel.

In einer Geldwirtschaft mit gesättigten Märkten und globaler Konkurrenz fangen Unternehmen an, ihre Produkte immer billiger zu produzieren. Die Komponenten in Geräten werden immer knapper bemessen, Gehäuse sind aus Plastik statt Metall und werden verklebt und vernietet anstatt verschraubt. Das hat zur Folge, dass Dinge schneller kaputt gehen als nötig und dass es oft schwierig ist, Sachen zu reparieren. Es hat die zweite durchaus erwünschte Folge, dass Dinge immer wieder verkauft werden können, was den Konsumkreislauf weiter am Leben erhält. Das ist für Unternehmen aber auch Arbeitnehmende überlebenswichtig.

In einer geldlosen Wirtschaft würden Produkte ganz anders designt und gebaut: Sie sollen möglichst lange halten, denn niemand will mehr Aufwand als nötig. Zudem wären Geräte reparierbar und am Ende ihres Lebens so zerlegbar, dass ihre Komponenten und Materialien zu neuen Gegenständen verbaut werden können.

In einer geldlosen Wirtschaft hätten wir also wohl nicht alle vier Monate neue Smartphone-Modelle. Dafür hätten wir solide Geräte, die lange halten, reparierbar sind, über Jahre hinweg mit Updates und Upgrades versorgt werden und am Ende ihres Lebens keinen Abfall generieren.

Da in einer geldlosen Wirtschaft keine Lohnkosten bezahlt werden müssen, könnten wir Dinge und Dienstleistungen zu konkurrenzlos günstigen Konditionen in alle Welt verkaufen. Und das in höchster Qualität, weil wir Geräte so bauen, dass sie möglichst lange halten.

Das hätte wohl einen Domino-Effekt, denn kein Land könnte mit unseren günstigen Preisen mithalten. Entweder würden Schweizer Produkte mit Zöllen belegt. Oder andere Länder führen ebenfalls eine geldlose Wirtschaft ein, was wiederum für alle von Vorteil wäre.

Wenn Unternehmen nicht mehr miteinander konkurrenzieren müssen sondern miteinander kooperieren, werden alle Geschäftsgeheimnisse gelüftet werden können. Unternehmen würden alle ihre Pläne offen legen können, Codes veröffentlichen, alles würde opensource und dürfte kopiert, verändert und weiterverwendet werden. Was heute unter Software-Programmierer:innen gang und gäbe ist, gilt in einer geldbefreiten Gesellschaft für alle Bereiche der Wirtschaft.

Das hätte immensen Fortschritt zur Folge, weil Erfindungen schneller in Umlauf kämen und Entdeckungen nicht mehr geheimgehalten werden müssten. Die Schweiz als Entwicklungs- und Forschungsland würde einsame Spitze.

Viele Projekte, und seien sie noch so sinnvoll, können heutzutage aufgrund von Geldmangel nicht umgesetzt werden.

Wenn das Geldsystem überwunden ist, wäre das Potenzial für gigantische Projekte nicht nur riesig, sie könnten auch ohne den Einsatz von Geld einfach umgesetzt werden. Die einzigen Limitierungen wären die Grenzen des Planeten, ökologische Schutzmassnahmen und das Vorhandensein der notwendigen Ressourcen.

Wenn sich alle Unternehmen der Schweiz kooperativ zusammenschliessen und wir als Gesellschaft kollektiv dafür sorgen, dass die gesamte Bevölkerung mit allem versorgt ist, braucht sich niemand mehr existenzielle Sorgen zu machen. Jede:r trägt zum Wohl von allen bei und gemeinsam sorgen wir dafür, dass es uns in materieller Hinsicht an nichts fehlt.

Impressum: Institut für Gratiskultur, 3322 Urtenen-Schönbühl, www.gratiskult.ch, Kontakt: hallo@gratiskult.ch

Im Sinne der Gratiskultur haben wir uns hemmlungslos bei diversen Quellen für diese Texte bedient, sie weiterbearbeitet und verändert. Im Gegenzug darf mit diesen Texten gerne ebenso verfahren werden.

 

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